Die Menschen lesen nicht mehr!
Die Menschen lesen nicht mehr! Das hört man immer wieder. Schüler und Schülerinnen sowieso nicht, aber auch bei uns Erwachsenen hat die Aufmerksamkeitsspanne in den letzten Jahren empfindlich gelitten und darum scrollen wir lieber statt zu blättern. Was meinen Sie?
Ich stelle in meinem Arbeitsalltag und auch privat immer wieder fest, dass wir offenbar nicht mehr dazu in der Lage sind, einfache Texte zu lesen und am Ende zu verstehen.
Ein Beispiel: Da öffnet man nichts Böses ahnend und vor dem ersten Kaffee eine eMail und wundert sich über die Fragen, die einem entgegenspringen, denn all das, was gefragt wird, wurde bereits beantwortet – in der Mail, die der aktuell geöffneten vorausging. Ernsthaft? Lesen wir nur noch die ersten zwei Zeilen und schweifen dann gedanklich ab oder hören einfach auf zu lesen, weil das berühmte Eichhörnchen uns ablenkt?
Für alle, die mit der Eichhörnchen-Referenz nichts anfangen können, empfehle ich mal „squirrel syndrome“ zu googeln. Sehr lustig, was man da zu sehen kriegt!
Aber ich schweife ab (Merken Sie selbst, ne?). Woran liegt es, dass wir offenbar keine simplen Informationen mehr aufnehmen können oder wollen? Einfache Hinweisschilder werden nicht gesehen, übersehen oder ignoriert, weil… ja, warum eigentlich? Wir erleben täglich, dass das Wort „Rückgabe“ bei uns im Erdgeschoss für die Menschen offenbar nicht ausreichend beschreibt, was man dort machen kann/soll/muss.
Warum erschweren wir uns das Leben und bevorzugen es lieber dreimal nachzufragen, anstatt uns einmal diese eine Minute Zeit zu nehmen, um die Information, die man haben möchte, selbst zu erlesen oder einfach nur darüber nachzudenken? Von jungen Menschen, die ins Berufsleben starten, erwarten wir (zu Recht!) eine gewisse Problemlösungskompetenz, die aber im Alltag auch von älteren Mitmenschen immer weniger praktiziert wird.
Vielleicht sind es die Smartphones. Vielleicht diese ganzen KIs, die gar nicht so intelligent sind, wenn man sich die Mühe machen würde, zu verstehen, wie sie funktionieren. Oder vielleicht sind wir einfach zu satt an Informationen und der ganzen Technik? Aber wie kann das sein, wenn Deutschland bei der Digitalisierung eher weit hinten als weit vorn zu finden ist? Wir haben Aufholbedarf und sind anscheinend schon mit dem Öffnen von pdf-Dokumenten überfordert.
Wenn man satt ist, soll man bekanntlich das Besteck zur Seite legen.
Also sollten wir vielleicht mal die Technik an die Seite legen? Im Job eher schlecht möglich, aber so im Privatleben? Vielleicht hilft es uns mal das Handy wegzulegen, statt den ganzen Abend zu scrollen um das nächste Reel nicht zu verpassen. Oder machen wir genau das nicht, weil das Scrollen bequem ist und Spaß macht, während das böse pdf-Dokument uns eher nervt?
Ich habe auch keine Antwort auf dieses Dilemma, aber ich würde Ihnen trotzdem empfehlen einfach mal wieder ein Buch zu lesen. Gerne ganz analog oder mit Hilfe der Onleihe OWL. Ganz bequem auf dem eBook-Reader, dem Smartphone, oder dem Tablet.
Das Ding mit der Aufmerksamkeit ist so eine Sache. Ich hoffe jedenfalls, dass Sie diesen Text bis zum Ende gelesen haben und dann zu einem Buch greifen.
