KI als Killer?

Verfasst von:

Eva Schulte-Ostermann

Kaum ein Thema ist so aktuell und mit so viel Unsicherheit behaftet wie das Thema Künstliche Intelligenz und wie sie unsere Gesellschaft verändern könnte. Gleichzeitig gerät bei der Diskussion um sie gerne mal so einiges durcheinander. Zunächst einmal: alle heutigen KI sind sozusagen Fachidioten – brillant wirkend und unglaublich schnell darin, Muster zu erkennen oder Berechnungen durchzuführen. Aber eine starke KI, die im Sinne menschlicher Intelligenz vielseitig begabt ist, gibt es (noch) nicht. Auch Siri und Co., die manchmal durchaus so erscheinen mögen, sind im Grunde nur ein Team von Fachidioten.

Ob überhaupt oder wann wir eine starke KI haben werden, ist unter Fachleuten tatsächlich umstritten. Und was meiner Ansicht nach wenig hilft, ist, Angst zu verbreiten. Da hat doch der Spiegel ein Foto von Robotern aus dem Film Terminator auf dem Titelbild und dazu sinngemäß den Kommentar „(…) sie wird sich gegen ihre Schöpfer wenden!“ Echt jetzt? Das Ganze auch noch mit biblischen Begriffen?

Zunächst aber erst einmal zu uns und unserer Menschwerdung. Viele Menschen denken sicher, der absolute Gamechanger unserer Evolution sei unser Gehirn – Sie auch, nicht wahr? Falsch. Na ja, zumindest nicht alleine. Nicht nur, dass das Gehirn von Homo neanderthalensis übrigens größer war (kleiner fun fact am Rande), nein, unser Gehirn hätte sich vermutlich ohne einen anderen kleinen Helden nie so entwickelt, wie es das getan hat: unseren Daumen. Der opponierbare Daumen markiert den Unterschied zu allen anderen Säugetieren, er ermöglicht den Präzisionsgriff, mit ihm können wir Musikinstrumente spielen und Computertastaturen bedienen. Mit unserer so ausgestatteten Hand begreifen wir sprichwörtlich die Welt, so dass von einer Hand-Hirn-Coevolution auszugehen ist. Will sagen: auch auf unser eigenes Hirn brauchen wir vielleicht gar nicht so übertrieben stolz zu sein.

Nun haben aber ein paar schlaue Hirne unserer Zeit Künstliche Intelligenz geschaffen und sorgen sich, dass sie eines Tages uns unterwerfen und völlig außer Kontrolle geraten könnte.

Warum eigentlich? Warum sollte sie das tun?

Was bitte soll denn ihr Motiv sein? Es handelt sich um eine Maschine. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir bei der Suche nach Tat-Motiven bei geschichtlichen Ereignissen oder Fällen vor Gericht immer auf zutiefst menschliche Eigenschaften stoßen werden: Neid, Gier, Hass, Wut, Größenwahn – all dies sind menschliche Impulse und/oder Empfindungen. Ob sie nun durch Biologie oder Soziologie erklärbar wären, lassen wir mal außen vor. Aber wie soll eine Maschine, die selbst weder biologische noch soziologische Prozesse durchlaufen hat, auf solche Ideen kommen? Projizieren wir da also nicht im Grunde etwas auf KI, was letztlich mehr mit uns selbst zu tun hat?

Menschen haben auf Neuerungen in ihrer Lebenswelt meist mit Angst reagiert. Als der Strom in unsere Häuser kam, hatten die Menschen zunächst Angst davor – und klar, wenn ich gleich auf die Idee komme, an meinem Elektroherd nen bissi rumzuschrauben, macht es unter Umständen einmal kräftig „Poff“ und ich bin tot. Es ist also tatsächlich nicht ganz ungefährlich, aber wir haben schlichtweg gelernt damit umzugehen.

Ich möchte jetzt ja gar nicht behaupten, dass es gar keine Risiken gäbe und dass wir nicht sämtliche Entwicklungen im Auge haben müssen, die mit KI einhergehen werden. A b e r Angst hilft uns dabei eben nicht, im Gegenteil: sie lähmt uns, führt eher dazu, dass wir Sachverhalte zu ignorieren und vermeiden suchen.

Um KI für uns sinnvoll einzusetzen, wie es zum Beispiel in der Medizin schon längst geschieht, benötigen wir einen klaren Kopf und einen wachen Blick. Und sollte wirklich in zehn Jahren die erste KI in irgendeinem Keller im Silicon Valley Allüren in Richtung allseitiger Intelligenz gepaart mit Großmachtstreben zeigen, ja, was machen wir dann?

Dann nehmen wir unseren Super-Daumen und ziehen ihr den Stecker.

Tags: , , , , , ,